Das böse Zeug mit G

Igzorn
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Das böse Zeug mit G

Beitrag von Igzorn » 04 Dezember 2017 09:25

https://www.youtube.com/watch?v=3ivpJx3gkMY

Interessant ist das Resume der leitenden Forscherin (Monika Krüger) Minute 12.

Der Rest ist ein Vorlesen von Studien und wie man mit dem Glyphosat umgeht. Ich muss sagen, die Landwirte sind auch ein Stück weit selber Schuld. Aber vielleicht irre ich mich auch.

Viel Spaß damit. Hoffentlich verstößt der Link nicht gegen Forumsregeln .... Dann bitte Löschen.
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Fruchtweinkeller » 04 Dezember 2017 10:34

Och je, eine Grundsatzdiskussion wollte ich nicht eröffnen... Mist :?

Da ich aber gerade auf den Heizungsableser warte und nichts besseres zu tun habe... 8-)

Ich habe mir den Anfang des Filmchens angesehen und habe da direkt einige Methoden der aktuellen "Fake-News-Kampagne" der Grünen wiedergefunden, die hier diskutiert sind:

http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 52258.html

Aber da befinden sich die Grünen ja in guter Gesellschaft:
https://schillipaeppa.net/2017/11/29/po ... nigt-euch/

Aber zurück zum Filmchen, ich schweife ab. Ich bin dann zur Minute ~12 gesprungen, wo Prof. Dr. Monika Krüger einen Zusammenhang zwischen Botulismus bei Rindern und Glyphosat herstellt. Eine Gegenrede mit Gegenargumenten findet man beispielsweise hier:
https://blogagrar.de/allgemein/totgespritzt/

Mit dem "Qualitätssender" arte habe ich zeitweise so meine Probleme. Da gab es mal eine "Homöopathie ist toll"-Sendung und eine a la "Bluttransfusionen sind böse". Mit wenig Recherche konnte man beide als weitgehend blödsinnig entlarven. Zugegeben, heißt natürlich nicht, dass alles was da läuft bullshit sein muss.
edit: Nicht zu vergessen die "Akte Aluminium", das war auch so ein "Meisterwerk".

Was mich auch aufregt: Die Keule "Rückstände von Glyphosat im Urin und der Muttermilch" (und, noch schlimmer, im Bier) wird immer gerne geschwungen. Zum Vorkommen eines Hauptabbauprodukts von Glyphosat namens AMPA ein interessantes Zitat:
"Da Phosphonate in Waschmitteln, als Inhibitoren gegen Korrosion und Kesselsteinbildung in Kühl- und Kesselspeisewässern,
und in der Textil- und Papierindustrie in großen Mengen eingesetzt werden, kann nicht geklärt werden, auf welche Quelle die bekannten Funde von AMPA zurückzuführen sind."
Quelle: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/071/1707168.pdf
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Igzorn » 04 Dezember 2017 12:59

Spannend! Im ersten Link ist eine Studie erwähnt, die doch tatsächlich eine negative Korrelation von "Siechtum" und Glyphosat Einsatz belegt. Ok, genau darunter auch zwischen Tauben und Siechtum. Aber interessant ist es allemal.
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von JasonOgg » 05 Dezember 2017 14:51

Das spannendste an der ganzen Diskussion finde ich im Moment, wie der Skandal um Herrn Schmidt ausgeht bzw. stillschweigend unter den Teppich gekehrt wird. 8-!

Was das böse G angeht, so scheint es wohl doch ein anderes Kaliber als damals DDT zu sein, ansonsten wären die Probleme nach rund 40 Jahren Anwendung wesentlich deutlicher zu Tage getreten, wobei heute mehrere 100.000t jährlich verteilt werden. Das das Zeug pur nicht gesund ist, darüber brauchen wir uns auch nicht zu unterhalten. Aber solche Anwendungen sind eher selten und meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen.

Was die Rückstände angeht hat Andreas schon darauf hingewiesen, dass wohl eher die Abbauprodukte als das Glyphopsat selbst gefunden werden. Sollte man nicht daher lieber nach deren Toxizität forschen? Oder muss dann die Textil- und Papier-Lobby aktiv werden?

Das Problem ist eher wofür Glyphosat symbolisch steht, nämlich Landwirtschaft basierend auf großen Monokulturen (Roundup-Ready und Gentechnik mal außen vor gelassen). Ohne Herbizide und Fungizide sind die heute nicht mehr in der Lage kostendeckend zu arbeiten. Für die Umstellung auf Oekolandbau sind einige Jahre Durststrecke mit Rückschlägen zu verkraften und man braucht mehr menschliche Arbeitskraft, selbst wenn die Technik hier Fortschritte macht. Ich hatte neulich die Gelegenheit mit jemandem von der LUFA zu sprechen, der solche Landwirte berät. Auch dort gibt es Monokultur, da braucht man sich nichts vormachen, aber halt ohne Glyphosat, sondern manchmal halt auch mit biodynamischen Mitteln

Ich hatte gestern ein kurzes Gespräch mit einem Landwirt, der mir im Frühjahr die Regenwürmer auf seinem Glyphosat-Acker zeigen will. Mit 2000 Schweinen und über 400 Mastrindern ist er definitiv auf der konventionellen Seite. Wenn ich seine Worte richtig verstanden habe, dann betreibt er Mulchwirtschaft, also Gründünger, flach einpflügen, später die Glyphosat-Dusche und später die Aussaat. Sein Argument war, dass durch das Glyphosat ein tieferes Pflügen vermieden wird und dadurch das Bodenleben nicht so sehr geschädigt wird. Desweiteren würden dadurch weitere Fahrten auf dem Acker vermieden. Allein durch den eingesparten Diesel würde er so mehr für die Umwelt tun, als das Glyphosat kaputt mache. Und Diesel-Feinstäube seien auch krebserregend. Da ist mit Sicherheit etwas dran.

Jeder Eingriff in die Natur reißt an einer Stelle der Nahrungskette, ob das Unkrautjäten im Vorgarten oder die große Glyphosat-Spritze ist. Letztere reißt natürlich größere Löcher. Dadurch sind die Auswirkungen auch deutlich größer. Aber gleiches gilt auch für Vergrößerung der Ackerflächen in dem immer mehr Feldraine wegfallen, (wenn wir mal bei den Landwirten bleiben)

Ich halte Glyphosat nicht für das Problem sondern eher für das Symptom.
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Fruchtweinkeller » 05 Dezember 2017 22:16

Ich halte Glyphosat nicht für das Problem sondern eher für das Symptom.
Guter Punkt. Es gibt viele Gründe, die für Glyphosat sprechen, die wir hier auch nicht breittreten müssen (und wohl auch nicht können, ich bin da ja auch kein Fachmann sondern lese mich auch nur ein; von der pfluglose Bodenbearbeitung schwärmen freilich viele).
Das Problem ist eher wofür Glyphosat symbolisch steht
Auch Zustimmung. Die Verwendung von Glyphosat, auch im privaten Bereich, hat über Dekaden hinweg niemanden gestört solange es keine resistenten GMO-Pflanzen gab. Erst dann haben die Lobbyisten das zum Thema gemacht.

Letztlich entscheidet der Kunde an der Kasse, welche Form der Landwirtschaft wir in Zukunft haben werden. Man kann absehen, wie das wohl enden wird. In dem Zusammenhang: Konventionelle Landwirtschaft geht auch mit Naturschutz, siehe dieses Projekt:
http://www.spektrum.de/news/konventione ... en/1520911
Meines Erachtens wichtiges Zitat: ""Damit das gelingt, müssten die Förderprogramme auf EU-Ebene anders gestaltet werden". In dem Zusammenhang fällt mir eine Diskussion ein, die ich irgendwo im Netz aufgeschnappt hatte, die ich aber leider nicht mehr wiederfinde: Da ging es darum, dass grundsätzlich zwar Wiesen und Gründland gefördert werden (was auch der Tiervielfalt zugute kommen soll), warum das aber so wie es gehandhabt wird gar nicht bringt für beispielsweise die Insektenvielfalt. Hatte irgendwas mit zu tun mit der Zeiten und Häufigkeiten des Mähens und mit dem Wechsel der Flächen, ich bekomme es leider nicht mehr genau zusammen :? Fazit war: Fördermittel sind da, verpuffen aber nutzlos. Das könnte man besser machen.

Mal was ganz anderes, weil ich momentan wieder meine masochistische Ader auslebe und Leserkommentare zu aktuellen Artikeln lese: Wenn es um Glyphosat geht, dann ist die vorherrschende Meinung: Wir sterben alle wenn das so weiter geht. Wenn es um NOX beim Diesel geht, dann ist die vorherrschende Meinung: Wir gehen alle zugrunde wenn der Diesel verboten wird. Kann mir das mal einer erklären? Ich verstehe das nämlich ganz und gar nicht (und ich verkneife mir jetzt mal die naheliegenden Witze über die vor dem Bioladen parkenden Diesel-SUVs).
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Igzorn » 05 Dezember 2017 22:46

NOX = deutsche Wirtschaft
Glyohosat = amerikanische Wirtschaft

In den USA sind die Meinungen genau anders rum
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Fruchtweinkeller » 05 Dezember 2017 22:57

:hmm: Glyphosat = bald auch deutsche Wirtschaft (Bayer)
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Igzorn » 05 Dezember 2017 22:59

Die Automobilindustrie hat einfach die geilste Lobbyarbeit. Autos als Geschenke kommen besser als Koffer voll Geld
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Fruchtweinkeller » 05 Dezember 2017 23:01

Ich würde den Koffer bevorzugen :lol:
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von JasonOgg » 06 Dezember 2017 07:56

Fruchtweinkeller hat geschrieben:
05 Dezember 2017 22:16
Wenn es um Glyphosat geht, dann ist die vorherrschende Meinung: Wir sterben alle wenn das so weiter geht. Wenn es um NOX beim Diesel geht, dann ist die vorherrschende Meinung: Wir gehen alle zugrunde wenn der Diesel verboten wird. Kann mir das mal einer erklären?
Das ist Bequemlichkeit oder individuelle Selbstverwirklichung :mrgreen:

Bei den eigenen Komfortvorstellungen drückt man gerne ein Auge zu, beim Nachbarn weniger, wenn es den eigenen Komfort stört. Zum Beispiel die etwas laute Geburtstagsfeier, die ja nur einmal im Jahr stattfindet, aber der Nachbar stört die Nachtruhe. Oder die Leherer, die auf dem Land leben wollen, wegen der Eier freilaufender Hühner und so, aber den vermietenden Bauern zwingen, die krähenden Hähne einzusperren usw.

Dazu kommt Gewinnmaximierung und Lobbyarbeit, die damit prächtig spielt und uns alle auch gezielt in die gewünschte Richtung manipuliert.
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Igzorn » 06 Dezember 2017 16:33

Ich sehe, hier sind Philosophen am Werk.
Also ist das so wie mit den Kindern und den Pupsen.
Die eigenen stören nicht.
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Re: Das böse Zeug mit G

Beitrag von Fruchtweinkeller » 06 Dezember 2017 22:51

Hihi, ihr drückt das noch so nett aus... da fallen mir auch Alternativen ein 8-)
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