wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Antworten
Münsterländer
10 Liter Wein
10 Liter Wein
Beiträge: 36
Registriert: 01 Juni 2016 18:28

wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Münsterländer » 17 August 2017 18:00

Hallo,

nachdem ich in den letzten 2 Jahren schon Erfahrung mit Apfelwein gesammelt habe, habe ich vor 2 Wochen um die Zeit zur Apfelernte zu überbrücken, einen Zwetschgenwein angesetzt. Nachdem ich die Maische abgepresst habe am 12. Tag schmeckt er leider noch sehr wässrig.

Ich hab das Rezept von der Homepage genommen und halbiert. Bis auf die Hefe: die habe ich aus Versehen verfünffacht. :D
Erstmal die Rohdaten:
angesetzt am 03.08.2017
Ansatz: 10 Liter - am Ende sind es 11 geworden
Hefe: Portwein - aus Versehen die ganzen 5 gr. aus dem Päckchen
Hefenährsalz: 4gr
Antigel: 10 gr
4 kg Zwetschgen (Gewicht der entkernten Zwetschgen)
Startzucker: 1600 gr
nachgezuckert: 800 gr
Zucker insgesamt 2400 gr.
Rest aufgefüllt mit "Bügeleisenwasser" aus dem Supermarkt
Säure: 6-7 gr. pro Liter

-} ich will erstmal bis zur Alkoholtoleranzgrenze nachzuckern und überlege mir dann vielleicht, ob ich mir einen Filter anschaffe (hat ja keine Eile)


Ich hab die Zwetschgen alle kleingeschnitten, je in 6-8 Teile. Die Zweschtgen waren größtenteils noch eher sauer als süß aber nicht ungenießbar sauer.
Die ersten 12 Tage ist er sehr gut durchgegoren, so dass ich schon vor dem Abpressen der Maische noch weiteren Zucker hinzugegeben habe. Hab mit dem Abpressen extra etwas gewartet, um viele Gerbstoffe reinzubekommen. Ich hab die Früchte, die fast alle noch oben schwommen, mit einer Kelle rausgeholt und mit einem Kopfkissenbezug abgepresst. Den Rest habe ich so rübergekippt, weil ich auch nach fast 1 Stunde abwechselnd abkochen und ausspülen + zusätzlich 20 Minuten Spülgang in der Waschmaschine mir nicht 100% sicher war, dass der Waschmittelgeschmack ganz aus dem Kopfkissen raus ist. ?-|
Dementsprechend habe ich immer noch ein bisschen Fruchtfleisch im Ballon an der Oberfläche, aber nicht allzuviel.

Leider habe ich mich mit dem Wassermenge etwas vertan und auch zwischendurch beim Nachzuckern noch etwas Wasser hinzugegeben, so dass ich bei 11 statt bei 10 Liter gelandet bin. Nachdem abpressen von der Maische und umfüllen in einer 10 Liter Gärballon, musste ich auch nach Abzug des Trester noch knapp 1 Liter in andere Flaschen umfüllen, um noch ein wenig Steigraum im Ballon zu lassen.

Mit der Säuremessung mit dem Acidometer habe ich mich etwas schwer getan, da sich immer so viel Schaum beim Schütteln gebildet hat. Die Säure dürfte aber in etwa zwischen 6 und 7 gr. pro Liter liegen. Die Farbe ist ein

Leider bin ich jetzt etwas verunsichert bis enttäuscht über den doch recht wässrigen Geschmack. Man schmeckt natürlich den Alkohol und die Säure und ein bisschen Frucht, aber man hat doch schon sehr das Gefühl Alkohol mit Wasser verdünnt zu trinken. Wenn ich das mit gekauftem 25% Johannisbeernektar aus dem Supermarkt vergleiche z.B. ist das ein Riesenunterschied was die Fülle des Geschmacks betrifft.
Besteht da Hoffnung, dass der Wein noch voller wird?

Und noch am Rande: Ich habe das Wasser im Supermarkt gekauft, welches man auch in Bügeleisen füllt. Ich bin mir zwar eigentlich sicher, dass ich gelesen habe, dass das unbedenklich ist, aber will mich nur nochmal absichern, da ja auf den Flaschen steht "Nicht als Trinkwasser benutzen" (Ich benutze es ja auch nicht als Trinkwasser)

Viele Grüße und schonmal vielen Dank im Voraus
Jakob

Benutzeravatar
Chesten
1000 Liter Wein
1000 Liter Wein
Beiträge: 1986
Registriert: 22 Mai 2012 00:00

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Chesten » 17 August 2017 18:14

Es kann immer mal passieren das die Früchte wenig Geschmack haben aber in solch einem frühen Stadium in dem sich dein Wein befindet kann man Nix über den Endgeschmack sagen.
Zucker ist ein Geschmacksverstärker wenn dein Wein eine stabile Restsüße hat wird der sicher anders schmecken als jetzt innerhalb der Gärung, also keine Panik.
Münsterländer hat geschrieben:Und noch am Rande: Ich habe das Wasser im Supermarkt gekauft, welches man auch in Bügeleisen füllt. Ich bin mir zwar eigentlich sicher, dass ich gelesen habe, dass das unbedenklich ist, aber will mich nur nochmal absichern, da ja auf den Flaschen steht "Nicht als Trinkwasser benutzen" (Ich benutze es ja auch nicht als Trinkwasser)
Pur würde ich das auch nicht saufen wollen :lol: !
Destillertes oder entkalktes Wasser ist wenn man es in der Weinbereitung verwendet unbedenklich da, würde ich mir mehr Sorgen um den Alkohol machen !
Die müssen das wohl zur rechtlichen Absicherung da drauf schreiben alleine schon wegen der Besteuerung.
Aber ich bin kein Arzt ;) .
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:

http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

Benutzeravatar
Fruchtweinkeller
Administrator
Administrator
Beiträge: 26186
Registriert: 29 März 2004 00:00
Kontaktdaten:

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Fruchtweinkeller » 17 August 2017 20:07

Aufgrund der Sorgfaltspflicht darf dir hier natürlich niemand raten, ein Wasser zu benutzen, dass nicht explizit als Trinkwasser geeignet ist.
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

Münsterländer
10 Liter Wein
10 Liter Wein
Beiträge: 36
Registriert: 01 Juni 2016 18:28

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Münsterländer » 17 August 2017 20:53

Ich muss das nochmal konkretisieren. Auf der Flasche steht:
"destilliertes Wasser
Entminerakisiert nach VDE 0510
Nicht als Trinkwasser empfohlen
Für Starterbatterien, Haushalt, Hobby und zur Anwendung im Labor."
Es handelt sich um dieses Produkt: https://www.chemica.de/de/produkte/destillierteswasser/
Ich hoffe der Link ist in so einem Kontext im Forum erlaubt.
Meine größte Sorge war eigentlich bisher, dass die Plastikflasche nicht lebensmittelecht ist.

Ich möchte natürlich keinen Persilschein für mein eigenes Handeln, aber ich hatte im Hinterkopf, dass ich hier im Forum gelesen hatte, dass es das gleiche sei, welches auch für Bügeleisen benutzt wird. Ein anderes destilliertes Wasser gab es im Supermarkt auch gar nicht. Das "nicht empfohlen" habe ich eher auf die Frage bezogen, ob man es als tägliches Trinkwasser benutzt.


Zum Wein:
Mich würden Erfahrungen interessieren, ob wässrig-schmeckende Weine noch an Körper gewonnen haben und wie man andernfalls noch nachbessern könnte. Hatte selbst schon an den Einsatz von Rosinen gedacht oder daran eine zweite Maische mit hineinzugeben.

Igzorn
1000 Liter Wein
1000 Liter Wein
Beiträge: 1107
Registriert: 05 Januar 2016 20:43

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Igzorn » 17 August 2017 22:24

Ich konnte schon beobachten, dass langweiliger Wein mit Zucker zu Leben kam. Aber ich hatte auch Flaumänner ... Aber die habe ich als 'Grundlage' für andere Weine verwenden können und mir einen Wein aus verschiedenen Grundweinen gemixt. Quasi ein Fruchtwein-Cuvee.
Aktuell ist es Kirsche+Pflaume mit 40% Tafeltraube und 2 % Quitte.
Insbesondere die Tafeltraube gewinnt in der Kombi doch sehr.
Zuletzt geändert von Igzorn am 17 August 2017 22:42, insgesamt 1-mal geändert.
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

Benutzeravatar
Fruchtweinkeller
Administrator
Administrator
Beiträge: 26186
Registriert: 29 März 2004 00:00
Kontaktdaten:

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Fruchtweinkeller » 17 August 2017 22:24

Zunächst stimme ich den Vorrednern zu: Oft genug erscheinen die Fruchtaromen im gärenden Wein und kommen erst später voll zur Geltung. Was an Geschmack fehlt, zum Beispiel bei unreifen Früchten, ist andererseits leider durch nichts zu ersetzten.

Wenn dir der Geschmack gar nicht zusagt könntest du beispielsweise mit Honig statt Zucker arbeiten: Bringt Geschmack, aber verfälscht den Säurewert praktisch nicht.
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

Benutzeravatar
Metinchen
1000 Liter Wein
1000 Liter Wein
Beiträge: 1078
Registriert: 24 Juli 2009 00:00

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Metinchen » 24 August 2017 20:44

Genau das hatte ich auch mal bei einem Zwetschgenwein. In der Gärphase schmeckte er nach Hefe, war aber ansonsten recht geschmacksneutral. In der Klärphase wurde es schnell besser, und nachdem die Hefe sich komplett abgesetzt hatte war er richtig lecker. Vom dünnen Geschmack der Gärphase war nichts mehr zu merken.
Einfach weitermachen, wird schon werden ;)
Optimisten leiden ohne zu klagen, Pessimisten klagen ohne zu leiden!

Münsterländer
10 Liter Wein
10 Liter Wein
Beiträge: 36
Registriert: 01 Juni 2016 18:28

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Münsterländer » 28 August 2017 20:04

Metinchen hat geschrieben:Genau das hatte ich auch mal bei einem Zwetschgenwein. In der Gärphase schmeckte er nach Hefe, war aber ansonsten recht geschmacksneutral. In der Klärphase wurde es schnell besser, und nachdem die Hefe sich komplett abgesetzt hatte war er richtig lecker. Vom dünnen Geschmack der Gärphase war nichts mehr zu merken.
Einfach weitermachen, wird schon werden ;)
So eine Antwort hatte ich mir erhofft. :D Bei der letzten Verköstigung schmeckte er dank starkem Alkoholgeschmack schon deutlich runder. Mal schauen, wie sich das entwickelt.

Ich bin die Tage auf der Homepage erneut auf folgende Passage gestoßen. Gibt es denn überhaupt noch destilliertes Wasser für Bügeleisen, wo der Hinweis, dass es nicht als Trinkwasser empfohlen ist, nicht draufsteht? (Bitte nicht falsch verstehen: Das soll partout kein Vorwurf sein. Ich kann schließlich selber lesen!) Als ich im Supermarkt stand, habe ich mir dann letztlich gedacht, der oben zitierte Warnhinweis steht einfach deshalb drauf, weil die das nicht als Trinkwasser verkaufen und der Hinweis dem Absatz nicht schadet. Gleichzeitig steht er auch nicht im Widerspruch zur Verwendung als "Weinwasser". Aber trotzdem bleibt natürlich ein "Geschmäckle" (ich meine im übertragenen Sinne ;) )
Woher bekomme ich weiches Wasser?

[...]

Sehr gut geeignet für unsere Zwecke ist das demineralisierte Wasser ("destilliertes" Wasser), das man im Supermarkt oder im Baumarkt für die Füllung von Bügeleisen oder Batterien bekommt. Dieses Wasser ist weitgehend frei von allen Salzen und ist deshalb das weichste Wasser welches man bekommen kann.

Münsterländer
10 Liter Wein
10 Liter Wein
Beiträge: 36
Registriert: 01 Juni 2016 18:28

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Münsterländer » 12 Februar 2018 09:05

Mal eine kurze Rückmeldung für zukünftige Leser mit dem gleichen Problem:
Der Wein befindet sich seit Anfang November zur Klärung im Keller. Letzte Tage habe ich mal ein Probe genommen: Der wässrige Geschmack scheint verschwunden. Bei Abfüllung hatte der Wein auch noch so eine Art Kaugummigeschmack. Der ist auch mehr oder weniger weg. Der Alkoholgeschmack steht aber noch sehr im Vordergrund.

Es heisst ja immer höhere Restsüße und Säure gleichen einen starken Alkoholgeschmack aus. Von der derzeitigen Restsüße und Säure gefällt mir der Wein aber ganz gut (trocken bis halbtrocken, leichte Säure aber nicht zu frisch). Daher die Frage, ob sich das durch eine längere Lagerung noch ausgleicht. Bei einem schweren Rotwein schmeckt man ja auch mehr als nur den Alkohol, ohne dass der Wein Restsüße oder hohe Säuren aufweisen muss.

Benutzeravatar
Fruchtweinkeller
Administrator
Administrator
Beiträge: 26186
Registriert: 29 März 2004 00:00
Kontaktdaten:

Re: wässrig schmeckender Zwetschgenwein

Beitrag von Fruchtweinkeller » 12 Februar 2018 10:25

Rotwein hat Gerbstoffe, diese wirken im Harmoniedreieck geschmacklich zusammen mit der Säure. Die Gerbstoffe verändern sich freilich im Laufe der Lagerung, aber signifikante Änderungen würde ich eher nicht erwarten.
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

Antworten

Zurück zu „Die Maischegärung“